Rockstar Games sah sich in den letzten Jahren immer
wieder der Kritik ausgesetzt, dass ihre Spiele von Gewalt, Sex und Co. nur so
triefen. Auch kurz vor der Veröffentlichung von Grand Theft Auto IV nahmen
viele Moralapostel das Spiel zum Anlass, um das leidige Thema Gewaltspiele
wieder aufzuwühlen. So musste vorab in Chicago die Reklame für GTA IV von den
Bussen entfernt werden, nachdem an einem Wochenende fast zwei Dutzend
Schussopfer zu beklagen waren. Trotz dieser Problematik erscheint GTA IV zum
ersten Mal absolut ungeschnitten in Deutschland.
Dude, Where’s My Car? Grand Theft Auto IV |
| Entwickler: | Rockstar Games
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| Publisher: | Take 2
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| System: | Xbox 360, PS3
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| Genre: | Action
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| Spieler: | 1-16 |
| Release: | 29.04.2008 |
Grand Theft Auto erblickte im Jahr 1997 auf PC und
PlayStation das Licht der Welt, seit dem sind über 70 Millionen Exemplare der
Serie verkauft worden und rangiert damit neben The Sims als erfolgreichste
Serie der letzten Jahre. Nachdem die Serie im Jahr 2001 mit GTA III den Sprung
in die 3D Welt geschafft hat, bekam sie lediglich zwei „Erweiterungen“. GTA: Vice City
und GTA: San Andreas trugen mit Absicht nicht die IV, da sich Rockstar dies für
den nächsten großen Schritt aufsparen wollte.
Doch wie kann man einen ähnlichen drastischen
Schritt wie den Wechsel von 2D zu 3D schaffen? Einfach nur mit besserer Grafik
ist es nicht getan, hier muss einiges mehr geboten werden. Als Vorteil dient
hier die leistungsstarke Konsolengeneration, denn erstmals erscheint Grand
Theft Auto nicht nur auf der PlayStation, sondern auch auf der Xbox 360 von
Microsoft. Dafür schauen die PC-Besitzer in die Röhre, denn aufgrund des hohen
Raubkopierer-Anteils bei GTA:VC und GTA:SA, verzichtet Rockstar auf eine
PC-Version. Momentan sieht es auch nicht so aus, als ob sie noch kommen wird.
Man sollte die Hoffnung aber nicht gänzlich aufgeben.
Wer aber denkt, dass der vierte Teil seine
Innovation lediglich durch eine Aufhübschung der Grafik erzeugt, liegt falsch.
Denn der nächste große Schritt bei GTA heißt ganz einfach „mehr Details“. Kein
anderes Spiel hat so einen Aufwand in der Herstellung bedeutet, wie der aktuelle
Teil der Gangster-Serie. Mit über 1000 Mitarbeitern und geschätzten $100
Millionen Entwicklungskosten, ist es das größte Projekt im Videospiele-Bereich.
Aber hat es sich wirklich gelohnt?
It’s a me Niko Belic!

Das Spiel startet am Hafen von Liberty City. Ihr
übernehmt die Rolle vom serbischen Einwanderer Niko Belic, der in die USA
gekommen ist, um ein besseres Leben zu beginnen. Als einzigen Bekannten in
dieser neuen Welt dient sein Cousin Roman, der ihm vom Geld, Frauen und Luxus
erzählt hat. Als Niko jedoch in Amerika ankommt, bietet sich ein ganz anderes
Bild. Der spielsüchtige Roman leitet ein heruntergekommenes Taxiunternehmen und
wohnt in einem winzigen Apartment. Ist das der Amerikanische Traum?
Hier setzt sich das Spiel dann auch schon direkt
von seinen Vorgängern ab. Zwar spielt das Spiel namentlich in der gleichen
Stadt wie schon der dritte Teil, doch das ist auch die einzige Gemeinsamkeit.
Das Liberty City in GTA IV ist ganz direkt New York nachempfunden und karikiert
die Stadtteile Brooklyn, Queens, Bronx, Manhatten und New Jersey. Natürlich
sind auch die typischen Wahrzeichen von New York vorhanden, wie zum Beispiel
die Freiheitsstatue, der Central Park oder der Time Square. Trotz dieser
Ähnlichkeit zeigt das Spiel nicht das echte New York, sondern vielmehr das New
York, wie man es aus Filmen und Büchern kennt. Eine perfekte Umgebung für einen
Gangster-Roman.
Nun steht ihr also in einer der größten Städte der
Welt und wisst nicht wohin. Hier ist es Rockstar unheimlich gut gelungen dem
Spieler die Stadt näher zu bringen, denn der Hauptcharakter Niko ist genauso
neu in dieser Stadt wie ihr als Spieler. Somit lernt ihr Stück für Stück die
Stadt und ihre Bewohner kennen. Dabei habt ihr aber nie das Gefühl, dass ihr
der Protagonist seid. Vielmehr werdet ihr in die Position des Regisseurs
gesetzt und lenkt euer ganz eigenes Abenteuer.
Liberty City wie es leibt und lebt Die ersten Schritte im neuen Liberty City können
ein wenig ernüchternd wirken. Rockstar hat sich sehr nah an dem fast
perfektionierte Spielprinzip der letzten drei Teile orientiert. Ihr spielt
immer noch einen Kleinkriminellen der für viele verschiedenen Gangsterbosse
Aufgaben erledigt. Zwischendurch müsst ihr ein paar Schießereien überleben und
euch mit Autos durch die Rush Hour schlängeln. Nichts Neues? Nein, am elementaren Spielprinzip wurden keine Änderungen vorgenommen, auch der vierte
Teil ist ein Grand Theft Auto und es spielt sich der Serie typisch. Die meisten
Änderungen verstecken sich im Detail.

So werdet ihr beim Einsteigen in das erste Fahrzeug
schon eine starke Änderung bemerken, denn die Autos steuern sich nun um einiges
schwerer. War die Bremse in den früheren Spielen mehr Dekoration, ist ein
gezieltes Spiel zwischen Gas und Bremse nun Pflicht. Das Fahren mit den
Fahrzeugen ist um einiges anspruchsvoller geworden, ohne dabei aber zu stark im
Bereich Realismus abzudriften. Die Steuerung ist immer noch sehr arcadelastig,
sie verlangt von euch jedoch einiges mehr an Feingefühl als früher.
Ein weiterer Punkt der euch schnell auffallen wird,
ist der „Realismus“ im Spiel. Das Spiel kommt um einiges erwachsener daher als
San Andreas. So startet ihr wirklich als kleines Licht und seid nur mit euren
Fäusten bewaffnet und bis zur ersten Schusswaffe ist es ein weiter Weg. Habt
ihr euch durch die ersten Missionen die ersten Dollars verdient, könnt ihr
nicht mehr in einen hochpolierten Waffenshop gehen, sondern müsst in dunklen
Nischen auf dem Schwarzmarkt einkaufen. Auch bei der Waffenauswahl werdet ihr
auf Spaß-Waffen wie Flammenwerfer und ähnliches verzichten müssen. Dem einen
wird dieser neue Realismus gefallen, aber es wird sicher auch welche geben, die
diesen Schritt nicht zu 100% befürworten werden.
Diesen Stil führt Rockstar auch Konsequent in der
Story weiter. Die Hintergrundgeschichte hat eine ungewöhnliche Tiefe, ohne dabei
auf den typischen GTA-Humor zu verzichten. Hierzu trägt auch der Hauptcharakter
Niko bei, denn selten war eine Hauptfigur so unsympathisch wie Niko. Er ist ein
rücksichtsloser, unfreundlicher und eiskalter Krimineller, aber doch irgendwie menschlich. Niko ist sicher kein Charakter zum Liebhaben und auch im späteren
Spielverlauf möchte man sich kein Stofftier von ihm über das Internet
bestellen, aber trotzdem hat er das gewisse Etwas. Eine sehr interessante
Erfahrung die man hier als Spieler erlebt und für mich ist Niko Belic der mit
Abstand beste Protagonist in einem Computerspiel seit langer Zeit.